9000 kunstvoll bemalte und fein ausgearbeitete Zinnfiguren führen Sie u.a. in die Geschichte des Bauernkrieges von 1525/26 und in das Leben des Mittelalters. 1150 Figuren informieren Sie über die Schweizer Sempachschlacht anno 1386 und über die Badische Revolution1848 in Freiburg u.a.m.

 

In 21 hell beleuchteten Dioramen (Schaukästen) erkennen Sie in nahezu jeder Figur unterschiedlich modellierte Kampfhandlungen. Sie entdecken auch viele liebevolle Details in den bunten Miniaturlandschaften. Die Farbenpracht der Figuren und die der Jahreszeiten sind ein unvergessliches Erlebnis für Jung und Alt.

 

Die Schlachten, die unsere Ahnen vom Elsaß bis zum Bodensee in den Tälern, Wäldern, Bergen und vor den Burgen ausgetragen haben, werden in den Dioramen zur lebendigen Geschichte. Das große alemannische Kulturvolk kämpfte somit schon vor 700 Jahren um Freiheit, Mitbestimmung und Selbstverwaltung. Ein Vorgehen, das nicht immer in das Konzept der Mächtigen passte. Darüber hinaus können Sie in 8 Hängevitrinen - von der Idee des Entwurfs bis hin zum Zeichner und Graveur - weitere 3000 Zinnfiguren bewundern, die in Formen aus bestem gravierfähigem Schieferstein gegossen werden. Von besonderem Reiz sind die sehr schön bemalten Vitrinenfiguren aus dem Bereich der  Literatur und Musik, der Sagen und Märchen.

 

In der seit 1998 neu eröffneten 2. Etage sind ausgestellt:

• Der Hexengeleitzug zur Hinrichtungsstätte an der Dreisam
• Die Halbedelsteinschleifer in der Gerberau
• Viele Burgenmodelle vom Hoch- und Oberrhein im Maßstab 1:300
• Das noch im Aufbau befindliche Diorama zur Revolution 1848
   vor dem Schwabentor bis hin zum Martinstor.

Darüber hinaus erhielt der Freundes- und Förderkreis der Zinnfigurenklause von einem Sammlerfreund aus Norddeutschland ein Leihdiorama - Waldbiotop - mit vielen Baum-, Strauch- und Tierarten.

 




Chronik

der Zinnfigurenklause und des Vereins
„Freundes- und Förderkreis der Zinnfigurenklause“
im Zeitraum von 1965 bis Mai 2001 in Kurzfassung

1965:

 Mit der Eröffnung der Ausstellung von Zinnfiguren und Dioramen im Gasthaus „Schiff“ – unweit der Musikschule und der alten Messehalle – gründete Arthur Andreas Lehmann als freischaffender Hobbykünstler die Zinnfigurenklause. Dort wirkte er bis 1968.

 

1969:  

Durch die Unterstützung des damaligen Oberbürgermeisters Herrn Dr. Eugen Keidel konnte A. Lehmann schließlich Räume im denkmalgeschützten Schwabentor, das im 13. Jh. erbaut wurde, beziehen. Dadurch wurde ihm die Vergrößerung seiner Ausstellung ermöglicht. Hier und in seiner Wohnung gestaltete er mit großem Idealismus und künstlerischem Sachverstand weitere kulturhistorische Dioramen, die von seinen Freunden und von Zinnfigurensammlern sehr geschätzt wurden. Aus dem schmalen Familienbudget finanzierte er den Kauf von  Schieferstein-Gieß-formen. Unermüdlich goss er seine historischen Flachfiguren. Er entgratete,  reinigte und bemalte sie mit großer Hingabe. Die Figürchen im Miniformat mit den  unterschiedlichsten Gesichtern, den vielfältigsten Körperhaltungen in zeitgemäßen Uniformen  und Kleidungsstücken legen Zeugnis ab über das Leben in jener Epoche.

 

 

1987:

Im Jahre 1987 kam Andreas Müller erstmals nach Freiburg und besichtigte u.a. auch das Schwabentor, das Wahrzeichen von Oberlinden und die darin befindliche Zinnfigurenklause. Zwischen dem damaligen Leiter A. Lehmann und dem Besucher A. Müller entspann sich bald ein langes Gespräch über deutsche Geschichte und über den Dioramenbau. A. Lehmann spürte das starke Interesse des Besuchers an diesen Themen. Schließlich lud er A. Müller zur Zusammenarbeit ein und bat ihn für einige Wochen um Vertretung im folgenden Jahr, da er zu Studienzwecken nach Wien wolle. Das war der Beginn des Wirkens von A. Müller in der Zinnfigurenklause.

 

1988:

Nach der Rückkehr von einer erfolgreichen Reise, konnte sich A. Lehmann davon überzeugen, in seiner Abwesenheit hervorragend vertreten worden zu sein. Glücklich darüber, einen  Stellvertreter zu haben, dem er vertraute, beschloss er, von jetzt ab Exkursionen und Urlaub zu machen. Eine Studienreise nach Athen folgte. Dieses Mal jedoch kam A. Lehmann als Kranker zurück. Ein Aufenthalt in einem Krankenhaus wurde notwendig. Nach Abschluss der Behandlung wurde er in pflegebedürftigem Zustand in einem Altenheim aufgenommen. Dort besuchte ihn A. Müller zum regelmäßigen Gedankenaustausch. Alle Gespräche endeten immer mit den gleichen Worten: „Gell, Sie bleiwe doch do, ich kumm ja wieder.“ In dieser Situation fühlte sich A. Müller verpflichtet, die erhoffte Zusage zu machen, dass er die Klause beaufsichtige solange Lehmann krank ist. Fortan übernahm er dessen Aufgaben, meinend, dass jener gesunden und seine Arbeit in der Klause wieder aufnehmen könne. Es kam anders. 

 

1989: 

Zufrieden mit seinem Lebenswerk, zufrieden auch darüber, einen Nachfolger gefunden zu haben, der seine Werke achtet. Lehmann, der geschichtskundige Dioramengestalter, der von leidenschaftlichem Fleiß geprägte Hobbykünstler erlag im Juni 1989 im Alter von 80 Jahren seinen Leiden. Kurz vor seinem Tod erhielt er noch auf Anregung von A. Müller das silberne Stadtsiegel aus den Händen des Ersten Bürgermeisters, Herrn Dr. v. Ungern- Sternberg. Bereits im Rollstuhl sitzend, gekennzeichnet von seiner Krankheit, begleitet und betreut von seiner Tochter, hörte A. Lehmann die Laudatio. Auch A. Müller, der noch nicht bestätigte Nachfolger, ehrte  Lehmann als den „Vater der Zinnfigurenklause.“                                                                             

Im Spätherbst desselben Jahres wandte sich A. Müller, der aufgrund seines gegebenen Versprechens plötzlich die Aufgaben von Herrn A. Lehmann übernehmen musste – dazu auch  noch ortsfremd – an den Oberbürgermeister Dr. Rolf Böhme mit der Bitte um Klärung der Situation der Zinnfigurenklause. Kurz darauf lud ihn der Generaldirektor der Städt. Museen, Herr Prof. Hans H. Hofstätter, zu einem Gespräch ein. Danach verpflichtete sich A. Müller vertraglich, die Klause öffentlich zu vertreten und die von der Stadt im Jahre 1985 von A. Lehmann erworbenen Dioramen u.a.m. weiterhin zu verwalten. Um die Zinnfigurenklause attraktiver und populärer zu machen, mit dem Ziel die Zahl der Besucher langfristig wesentlich zu erhöhen, gründete A. M. am 2.11.1989 den Freundes- und Förderkreis der Zinnfigurenklause im Schwabentor e. V. Freiburg.

 

1989:

Parallel dazu liefen auch die Vorbereitungen zu den Straßenschauspielen: „Sturm“ auf das Schwabentor gespielt von der Historischen Hans Müller Gruppe. Gründer der Schauspielgruppe ist Theodor Isele, Ortsvorsteher von Bulgenbach bei Grafenhausen (Schwarzwald). Heimat des Bauernführers Hans Müller

 

1991:  

Schauspiel zum Volkslied „Der Ritter von Falkenstein“. Darsteller:  das Ensemble der Alemannischen Bühne.

 

1992:

Historisches Straßenschauspiel zum Bauernkrieg von 1525 „Der Geist der Freiheit ist die Festung des Volkes“ dargeboten am Schwabentor mit 160 Darstellern aus Bulgenbach, Freiburg und Lehen. Verfasser des Schauspiels A. Müller

 

1994: 

Wiederholung des Schauspiels von 1992 mit gekürztem Text. Bei dieser Inszenierung an der Einmündung der Konviktstraße in die Salzstraße wirkten Schauspieler der Alemannischen Bühne zusammen mit 40 weiteren Personen mit.

1997:  

Übernahme der vom Liegenschaftsamt und vom Kulturbürgermeister Thomas Landsberg vermittelten und vom Hochbauamt ausgestatteten Werkräume, nach einem Stillstand der Vereinsarbeit von 2 ½ Jahren.

1998:

Verdielung der 2. Etage im Schwabentor. Auch Anfang zur Ausstellung
von Leihdioramen

1999: 

Einbau der Unterschränke. Beginn der Ausstellung unter provisorischen Bedingungen in diesen Räumlichkeiten.

2000: 

Schutzverkleidung der Exponate gegen Schmutz, Kälte und Fremdeinwirkung. Die neue Platzierungs-, Einschub-, und Beleuchtungstechnik ermöglicht, die Projekte schon in ihren Anfängen auszustellen. Ein Beispiel hierfür ist das im Bau befindliche Diorama „Die Badische  Revolution 1848“ mit den Kampfhandlungen vor dem Schwabentor. Die neue Technik erleichtert auch Wechselausstellungen mit den Burgen vom Hoch- und Oberrhein und von der Donau.                                                                                                                               

Zum Gedenkjahr an den Bauernkrieg vor 475 Jahren wurde das seit 1992 bekannte Schauspiel von 300 Darstellern und dem Ensemble der Alemannischen Bühne erstmals auf dem Augustinerplatz aufgeführt. Ab dem alten Messeplatz marschierten 16 Gruppen – zeitgerecht gekleidet – aus den Regionen Bodensee, Schwarzwald, Freiburg und vom Rhein auf Freiburg zu, in der Absicht, die Stadt zu stürmen. Am Schwabentor übergab der Sprecher des Adels und der Ratsherren, gespielt von Oberbürgermeister Dr. Rolf Böhme, der gleichzeitig Schirmherr der Veranstaltung war, dem legendären Bauernführer Hans Müller die Stadt Freiburg widerstandslos.

Um vom Amt für öffentliche Ordnung eine Genehmigung für den historischen Bauernaufmarsch und für die Veranstaltung zu bekommen, musste der Freundes- und Förderkreis der Zinnfigurenklause die volle Verantwortung übernehmen. Das ursprünglich vorgesehene Veranstaltungs- und Organisationskomitee gab in der Besprechung vom 6.4.2000 die Verantwortung an den Verein bzw. an A. Müller einstimmig ab.

2001:

Tag der offenen Tür in den 3 Etagen der Zinnfigurenklause verbunden mit dem Malerblick und dem Gemälde von Oskar Kokoschka.

Fachkundige Ausführungen der Kunsthistorikerin und Gästeführerin Christine Moskopf M. A. zu der Bilderperspektive des Malers Oskar Kokoschka und zu den stadtgeschichtlichen Aspekten mit dem Ausblick aus den Fenstern der 3. Etage . Die faszinierende Breitsicht zum Münster und der Panorama blick über die einst total zerstörte Altstadt, die im Baustil des Mittelalters nach 1945 wieder neu aufgebaut wurde, haben einen großen Seltenheits- und Erinnerungswert. Bei guter Fernsicht begrüßt uns auch das Elsaß mit den Vogesen und der Kaiserstuhl am Rhein.

Umrahmt wurde der Tag der offenen Tür durch zwei junge Musiker: Klarinettistin Sonja Schindelbeck und Sylvain Fiedler.

2002:

Der Ausbau der 3. Etage ist noch nicht abgeschlossen.
Begehung nur an den Tagen der offenen Tür und zu den vereinbarten Führungen
mit dem Leiter der Zinnfigurenklause